Montag, 21. März 2011
Das IT-Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert für den Markt der sogenannten mobilen Tablet-Computer weltweit ein rasant steigendes Wachstum. Neben der privaten Nutzung bietet diese Geräteklasse auch in der Geschäftswelt umfangreiche Einsatzmöglichkeiten. Allen voran steht hier das iPad aus dem Hause Apple.
Zur Untersuchung möglicher Einsatzgebiete des Apple iPad im Bereich des Gesundheitswesens wurden im Rahmen einer bundesweiten Online-Umfrage Fach- und Führungskräfte aus diversen Kranken- und Pflegeeinrichtungen befragt. Mit der Umfrage sollten folgende Kernfragen beantwortet werden: Wie ist die allgemeine Akzeptanz des iPad im Gesundheitswesen? Welche Auswirkungen werden mit dem Einsatz eines solchen Gerätes erwartet? Welches sind die potenziellen Einsatzbereiche?
Innerhalb der knapp einmonatigen Umfrage wurden insgesamt 1083 Personen befragt, davon haben 107 Teilnehmer die Fragen vollständig beantwortet. Gut 65 Prozent der Antworten kamen dabei von Mitarbeitern des medizinischen Personals (Ärzte und Pflegekräfte). Die restlichen Antworten stammten aus den Bereichen Geschäftsleitung, Verwaltung und IT. Die anonyme Umfrage gliederte sich in vier Bereiche. Neben einer allgemeinen Befragung zur Person, zur Einrichtung und diverser Formalitäten, ging es hauptsächlich um Angaben zum iPad. Die Beantwortung erfolgte dabei größtenteils nach dem Multiple-Choice-Verfahren, wobei je nach Fragestellung auch Mehrfachnennungen möglich waren. Insgesamt wurden 21 Fragen gestellt.
Die Beantwortung der Fragen basiert überwiegend auf Teilnehmern mit mehreren Jahren Berufserfahrung. 94 Prozent gaben an, bereits zehn und mehr Jahre im Gesundheitswesen zu arbeiten. Insgesamt arbeiten 53 Prozent der Teilnehmer in öffentlichen Einrichtungen. Bei 24 Prozent waren die Einrichtungen in kirchlicher und bei weiteren 22 Prozent in privater Hand.
Innerhalb der befragten Einrichtungen erfolgt die derzeitige Datenerfassung größtenteils aus einer Kombination von PC (99%) und Papier (68%). Neben diesen Verfahren sind zudem noch Barcodes, Notebooks und PDAs im Einsatz (Mehrfachnennung möglich).
Im intersektoralen Datenaustausch stellen mit 79% das Papier und mit 72% die Email die häufigsten Kommunikationsformen dar. Weitere Möglichkeiten bieten gemeinsame Informationssysteme, das Telefon und der Austausch von Datenträgern (Mehrfachnennung möglich).
Die Umfrage hat ergeben, dass die praktischen Erfahrungswerte des iPads im Gesundheitsbereich noch sehr gering sind. Von den 107 Befragten haben 77 Personen noch keine Erfahrungen mit dem iPad gemacht. Bei den Befragten mit iPad-Erfahrungen gaben 21 an, das iPad aus dem privaten Bereich zu kennen. Acht Personen kannten das iPad bereits aus dem beruflichen Umfeld. Von diesen acht hatten zwei Personen iPad-Erfahrungen im klinischen Umfeld, drei Personen in der Verwaltung und weitere drei in „sonstigen“ Bereichen, wie beispielsweise Befragungen oder IT-Tests. Erfahrungen im Pflegebereich wurden bisher noch keine gemacht. Drei Prozent aller Befragten nutzen aber bereits ein iPad in ihren Einrichtungen und weitere sieben Prozent planen eine zukünftige Einführung.
Die allgemeine Akzeptanz wird als überwiegend positiv gesehen. Besonders in den Kategorien Mitarbeiterkomfort, Zeitersparnis und Produktivität sieht die Mehrheit der Befragten eine Verbesserung bzw. keine Veränderung durch den Einsatz des iPad. Negative Auswirkungen werden in diesen Bereichen hingegen kaum erwartet. Anders sieht es bei den Kosten aus. Hier sehen die meisten Befragten (47%) eher eine Mehrbelastung. Nur 11% erwarten im Bereich der anfallenden Kosten positive Auswirkungen. Der Bereich der Sicherheit wird mit 60% überwiegend neutral gesehen.
Als mögliche Einsatzgebiete können sich die befragten Personen vornehmlich Szenarien in der Visite (71%), bei der Dokumentation (64%) und im Patientenmanagement (57 %) vorstellen. Aber auch zur Unterstützung in den Bereichen Materialwirtschaft, Stationskommunikation und der Pflegeplanung hat das iPad nach Angaben der Befragten durchaus Einsatzpotenzial (Mehrfachnennung möglich)
Obwohl das iPad noch sehr wenig Verbreitung findet, sind bei 17 Prozent der befragten Personen bereits ähnliche Produkte wie Tablet-PCs oder Touchscreens im Einsatz. Die Verteilung der Einsatzbereiche dieser eingesetzten Produkte verläuft ähnlich der oben genannten potenziellen Gebiete. Sie werde demnach hauptsächlich im Patientenmanagement (61%), bei der Visite (50%), der Pflegeplanung und -dokumentation (33%) und im Bereich der Materialwirtschaft (27%) genutzt (Mehrfachnennung waren möglich).
Abschließend hatten die Befragten noch die Möglichkeit ein persönliches Statement abzugeben. Wie folgende Beispiele zeigen, kritisieren einige Befragte die Politik des Herstellers Apple: „Das System als solches wird ins Krankenhaus kommen, vielleicht nicht das iPad, weil Apple viel zu restriktiv ist.“ Oder: „…ein Einsatz im Unternehmen ist aber aufgrund der unklaren Modellpolitik und dem restriktiven Umgang mit Software seitens des Herstellers ungeeignet.“ Aber auch die hohe Diebstahlwahrscheinlichkeit solcher Geräte wurde angemerkt: „…alle derzeit eingesetzten mobilen Geräte bekommen innerhalb kurzer Zeit die Schwindsucht.“ Ein befragter Arzt hat seine Meinung zum iPad wie folgt geäußert: „Wir sollten uns wieder der Medizin zuwenden und nicht versuchen Informatiker zu werden.“
Trotz dieser negativen Aussagen hat die Studie gezeigt, dass für das Apple iPad (oder auch Smartpads anderer Hersteller) im Gesundheitswesen erhebliche Einsatzpotenziale liegen. In vielen Bereichen, wo derzeit noch das Papier unerlässliches Instrument zur Datenaufnahme ist, könnte in naher Zukunft vielleicht schon bald ein Smartpad Verwendung finden. Neben allen Funktionen, die diese Geräte mit sich bringen, müssen zudem die Ansprüche im klinischen Alltag, wie z.B. die branchenbedingten Hygienebestimmungen, die Schnittstellen mit anderen Systemen und vor allem eine bedienungsfreundliche Softwareumgebung beachtet werden. Hier sind nun die Entwicklungshäuser gefordert, diese Anforderungen in innovative Lösungen für die Gesundheitsbranche umzusetzen.