Montag, 8. November 2010
Informationssysteme im Gesundheitswesen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Mit stetig steigenden Anforderungen und politischen Rahmenbedingungen erhöht sich der Druck, solche Systeme auch wirklich einzusetzen. Ein wichtiges Instrument für die IT-Unterstützung in der Gesundheitswirtschaft ist die elektronische Patientenakte (ePA).
Die ePA ist mehr als nur eine digitale Version der Papierakte. Sie stellt eine zentrale elektronische Sammlung und Verwaltung aller krankheits- und behandlungsrelevanten Dateien dar. Die Informationen aller beteiligten Bereiche sind für die problem-, fall- oder prozessorientierte Dokumentation zusammengefasst. Die Versorgung der Patienten ist in der Regel ein kontinuierlicher Prozess, an dem mehrere Institutionen beteiligt sind. Ein wichtiger Faktor in diesem Kontext ist also eine sektorenübergreifende Behandlungskoordination.
Gerade im Krankenhaus hat das Prozessmanagement eine sehr hohe Priorität, denn anders als im normalen Geschäftsgeschehen stehen Menschenleben auf dem Spiel, wenn Prozesse fehlerhaft oder suboptimal durchgeführt werden. Ohne reibungslose, schnelle und fehlerfreie Prozessabläufe sind die wichtigsten Faktoren im Krankenhaus und Klinikbereich – intersektorale Koordination, Kommunikation und Kooperation - nicht zu optimieren. Die Informationen aus der ePA dienen den geschäftsanalytischen Modellen zur Optimierung von Prozessen und schaffen Transparenz in den Arbeitsabläufen.
Die IT-Unterstützung mit der ePA wird in der Theorie von vielen Akteuren im Gesundheitswesen befürwortet. Bei der Umsetzung sehen wir allerdings immer wieder diverse Probleme und Hinderungsfaktoren in der Organisation, in der IT-Infrastruktur und in der Durchsetzung neuer Systeme. Neben der technischen Herausforderung wird die Organisation also vor die Aufgabe gestellt, einrichtungsübergreifende organisatorische Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings helfen auch kurze ROI-Zeiten, eine deutlich verbesserte Qualität und mehr Zeit für das behandelnde Personal für ihre eigentlich Aufgabe – der Behandlung und Pflege der Patienten – häufig nicht. Die zentrale Frage ist also: Warum werden die zur Verfügung stehenden Technologien noch zu selten eingesetzt? Welche Hinderungsfaktoren spielen eine Rolle und wie kann man diese beeinflussen? Welche Motivation brauchen Entscheider als auch Mitarbeiter, die Vorteile der neuen Technologien und Arbeitsweisen als gut zu erkennen und anzunehmen?
Ich hatte gestern eine Diskussion mit einem Kollegen, warum die Umstellung von Papier-basierten Prozessen auf elektronische so schwierig sei:
Wenn wir Menschen Informationen verteilen, wenn wenig Technik vorhanden ist, geschieht dies auf Papier mit Strukturen, sprich auf Formularen.
Dieses Formular macht in dieser Form auf dem PC wenig Sinn. Denn hier kann mit den Informationshäppchen umgegangen werden. D.h. jeder arbeitet nur mit den Daten am Bildschirm, die gerade relevant sind.
Der Umstieg von der einen Art zu arbeiten auf die andere fällt vielen Menschen schwer, da sie nicht soweit abstrahieren können. Sie finden sich dann nicht wieder und verweigern sich.
D.h. es haben viele Manager vor diesem Change-Prozess Angst und beginnen daher erst gar nicht, auf das Arbeiten mit elektronischen Akten umzusteigen.
Dennoch sehen wir vermehrt unsere Kunden aktiv mit den elektronischen Akten arbeiten, speziell im Bereich Kunden, Personal, Vertrags- und Projektakten.
Im Bereich der ePA sind Dokumente häufig per Unterschrift freizugeben. Die elektronische Unterschrift ist dann meist die Hürde und wird als zu unhandlich betrachtet. Zumindest die per PIN-Eingabe und Karte. Einfacher ist es da mit Pen-Pad, worauf ich eine Unterschrift leisten kann.
Diese Verfahren wird auch im Bereich der Banken und Versicherungen vermehrt genutzt. Aber auch hier verfällt man eher auf ein elektronischen Formular, das unterschrieben wird. D.h. Nachbildung des Papiers auf dem Bildschirm.
Eine Kultur zu wandeln braucht immer etwas länger ...