Dienstag, 15. Juni 2010
Vor einigen Tagen war ich mit meiner Mutter bei Starbucks. Sie besucht üblicherweise ein kleines Café vor ihrer Haustür um sich ihren Kaffee zu holen, was diesen Ausflug in die Welt der blended coffee Frappuccinos sehr interessant und aufschlussreich gestaltete.
Wir besuchten Starbucks am frühen Abend. Eine Zeit in der die Filiale weder sonderlich voll, noch wesentlich leer gewesen ist. Meine Mutter wendete sich mit den Worten „Einen kleinen Kaffee bitte.“ an den Starbucks-Mitarbeiter. Diese Bestellung löste eine Form der Freude in ihm aus, die man sonst nur bei Kindern beobachten kann, sobald sie die Chance haben ihr Lieblingsgedicht vorzutragen. Mit viel Optimismus in der Stimme fragte er „Was für einen hätten Sie denn gerne?“. Dann entfachte er ein Feuerwerk feinster Starbucks-Kaffeenamen-Fantasie. Hier ein kurzer Auszug: Frappuccino mit blended juice, blended coffee oder blended cream, Caffè Mocha, White Caffè Mocha, Machiato, French Press, Caramel Machiato... Meine Mutter hatte nach der Hälfte aufgehört zuzuhören und antwortete: „Gut. Ähm, dann zwei Cookies bitte.“
Als ich am folgenden Tag in den unendlichen Weiten des BPM-Netzwerks unterwegs war, stieß ich auf einen Beitrag in welchem ein User ein bestimmtes Anliegen hatte. Er suchte nach einer Möglichkeit Fragebögen, Checklisten und Prozesse einheitlich zu modellieren. Die Checklisten sollten in ein System übergeben werden, welches verschiedene Instanzen dieser Checkliste erzeugen kann, die dann von den Usern genutzt werden. In Bezug auf den Fragebogen wurde der Wunsch geäußert, diesen, etwa bei Telefoninterviews, als dynamischen Leitfaden einsetzen zu können, mit dem sich der jeweilige Mitarbeiter durch den Antwort-Baum klicken könnte. Die dafür modellierten Prozesse sollten als Überblick dienen. Die Anforderung, die dargestellten Prozesse ausführen zu können wurde nicht gestellt, da sie wohl eher als Dokumentationshilfe dienen sollten.
Ein Problem, das ohne weiteres schon hier in der ProcessGallery gelöst werden kann (hier ein kleines Beispiel: Checkliste in der ProcessGallery). Vergleichbar mit der vermeintlich simplen Bitte nach einem kleinen Kaffee in einem Betrieb, der sich selbst als Café bezeichnet, meldete sich ein weiterer User zu Wort und gab folgenden Ratschlag: Eine Kombination aus BPMN und UML um möglichst standardnah zu bleiben, wobei diese sich bei der Verwendung von Aktivitäts- und Klassendiagrammen ergänzen. Außerdem könnte man im weiteren Verlauf auch UBPML einsetzen. Allerdings wären hier solide Softskills von Nöten. Abgerundet würde das Ganze durch ein individuelles GUI, falls die Mitarbeiter keine UML-Spezialisten seien, das man „einfach“ aufsetzen könnte.
Der Ersteller dieses Threads antwortete weder auf diese, noch auf die anderen, ähnlichen Antworten. Wahrscheinlich hatte er sich nach dieser eingehenden Beratung ebenfalls für zwei Kekse entschieden.
Jeder kennt diese Geschichten von Starbucks. Es existieren diverse Scherz-Anleitungen, um die Fähigkeit zu erlernen, fehlerfrei bei Starbucks einen ganz normalen Kaffee zu bestellen. Aber finden S
ie nicht auch, dass man in einem Café den simplen Wunsch nach dem Namensgeber des Établissements in einfachster Ausführung erfüllt bekommen sollte, ohne dafür einen Dolmetscher anstellen zu müssen? Das gleiche Gefühl hatte ich jedenfalls während des Lesens dieser Beiträge im BPM-Netzwerk. Warren Buffett gab Bill Gates nicht umsonst den Tipp „Keep it simple!“. Ich glaube, an diesen Rat sollten wir uns gerade in Bezug auf BPM und Co. öfter erinnern. Die Lösung kann und sollte einfach sein.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gesammelt? Vielleicht kennen Sie weitere Beispiele zu dieser Thematik. Teilen Sie Ihre Ansichten in den Kommentaren!
Hallo Herr Leue, vielen Dank für Ihren Kommentar! Natürlich ist es in einem gewissen Maße konsequent, wenn einfache Fragen, auf einer Expertenplattform unverhältnismäßig komplex beantwortet werden. Wenn der Fragende allerdings wie im zitierten Fall diese vorausgesetzte Expertise nicht vorweisen kann und dies in Bezug auf die Fragestellung klar ersichtlich ist, halte ich es nicht für förderlich noch größere Fragezeichen in dessen Kopf hervorzurufen. Außerdem bin ich der Meinung, dass es sehr wichtig ist, auch in der Starbucks-Zentrale nicht zu vergessen, was ein normaler Kaffee ist, ebenso wie in der BPM-Welt pragmatische Lösungen, nicht von Buzzwords und verbalem Herumgefuchtel vertrieben werden sollten. Es ist nicht sonderlich schwierig, Dinge sehr groß und komplex klingen zu lassen und wahrscheinlich lässt man sich auch oft zu einem solchen Vorgehen hinreißen, wenn es darum geht kleine Sachverhalte eindringlich zu schildern, oder selber Expertise zu demonstrieren. Dadurch werden jedoch weder Probleme gelöst, noch der Einstieg in die Materie erleichtert. Beste Grüße und einen guten Start in die Woche!
Ich verstehe durchaus was Sie meinen und meine Antwort auf Ihren Kommentar war auch keineswegs speziell auf Sie persönlich bezogen, sondern eher auf eine Entwicklung, die ich mit einem unwohlen Gefühl beobachte. Der im Beitrag erwähnte Dialog, an welchem Sie beteiligt gewesen sind, war lediglich der Anlass, aber nicht der Grund für das, was ich geschrieben habe. Ich freue mich, dass wir uns in dem Punkt der Einfachheit treffen können und danke Ihnen nochmals für Ihre Kommentare.